Zeil: “Bund darf bei Coburg nicht auf halbem Wege Halt machen“

MÜNCHEN / COBURG Anlässlich der heutigen Durchschlagsfeier beim Rennbergtunnel der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und Erfurt mahnt Bayerns Verkehrsminister Martin Zeil eine bessere Einbindung der Neubaustrecke in die bestehende Schieneninfrastruktur an. „Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass der Bund in vielen Punkten nur eine minimalistische Planung umsetzen will. Das wird nicht ausreichen, um die zukünftigen Zugverbindungen auf qualitativ hochwertigem Niveau und flexibel anbieten zu können. Es muss gewährleistet werden, dass die Region von der Strecke profitiert und nicht nur die Belastungen durch den Bau zu tragen hat. Der Bund darf beim Infrastrukturausbau im Raum Coburg nicht auf halbem Wege Halt machen“, betont Zeil. Er habe sich deshalb jetzt an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer gewandt.

Zeil moniert insbesondere die Planungen für die Bahnhöfe Coburg und Breitengüßbach sowie für die südliche Zulaufstrecke nach Coburg. Bei letzterer störe den Minister, dass zwischen der Einmündung der neuen südlichen Verbindungskurve auf die Bestandsstrecke und dem Coburger Bahnhof drei, jeweils nur wenige hundert Meter lange, eingleisige Abschnitte bestehen bleiben sollten. Darüber hinaus würden die Bahnsteigzugänge in Creidlitz, die die Gleise ebenerdig queren, nicht geändert werden. „Dadurch ist ein Flaschenhals vorprogrammiert“, erklärt Zeil. Im Bahnhof Coburg werde lediglich eine Bahnsteigkante ICE-tauglich und nur der vom ICE genutzte Mittelbahnsteig barrierefrei ausgebaut, kritisiert Zeil. „Damit wären dort weder ein barrierefreies Umsteigen noch die Begegnung zweier Fernzüge möglich“, erläutert der Minister. In Breitengüßbach solle es künftig nur noch zwei anstelle von bisher drei Bahnsteigkanten geben, womit nicht einmal das heutige Betriebsprogramm umsetzbar wäre. „Es bedarf bei diesen Themen dringend einer Detailabstimmung zwischen Bund, DB und uns. Nur so kann ein überzeugendes Gesamtkonzept erstellt werden, das für die Region die optimale Bahnerschließung bringt“, fordert der Minister.

Mit dem 1,1 Kilometer langen Tunnel Rennberg erfolgte bereits der sechste Tunneldurchschlag auf bayerischer Seite der ICE-Neubaustrecke. Der Tunnel wurde in Anwesenheit der Tunnelpatin Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags, und Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel durchschlagen. Insgesamt gibt es auf bayerischer Seite acht Tunnel, auf thüringischer Seite 14. Bei den Nachbarn sind seit März dieses Jahres alle durchschlagen.

Mit einer südlichen und nördlichen Verbindungskurve auf die Bahnstrecke Lichtenfels – Sonneberg wird die Stadt Coburg an die Hochgeschwindigkeitsstrecke angebunden. Die Neubaustrecke zwischen Ebensfeld und Erfurt ist Teil des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8, dem Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Nürnberg nach Berlin. Die 107 Kilometer lange Strecke durch die Mittelgebirgslandschaft wird insgesamt 22 Tunnelbauwerke mit einer Gesamtlänge von 41 Kilometer aufweisen. Die Investitionskosten für die Neubau- und Ausbaustrecke von Nürnberg nach Ebensfeld belaufen sich nach Angaben der DB AG auf 5,2 Milliarden Euro. Für die 83 Kilometer lange Strecke von Oberfranken nach Mittelfranken ist die Finanzierung derzeit noch nicht gesichert.

Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie.


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